Anja Schöne: Regisseurin, Autorin und Leiterin des LUTZ Hagen

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Anja Schöne ist eine Theaterregisseurin und Autorin, die vor allem für Theater für Kinder und Jugendliche arbeitet. Sie wurde 1978 in Krefeld geboren und leitet heute das LUTZ am Theater Hagen, die Sparte des Hauses für junges Publikum. Neben ihrer Regiearbeit schreibt und bearbeitet sie Theatertexte und entwickelt Projekte, bei denen Kinder und Jugendliche selbst mitreden und mitgestalten können.

Auch außerhalb der Bühne ist ihr Name bekannt: Gemeinsam mit dem Kabarettisten und Autor Jess Jochimsen übertrug sie Carson Ellis‘ Bilderbuch „Wazn Teez?“ in eine erfundene deutsche Fantasiesprache. Das Buch wurde 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Bilderbuch nominiert.

Hinweis: Es gibt mehrere Personen mit dem Namen Anja Schöne. Dieser Artikel behandelt die 1978 in Krefeld geborene Theaterregisseurin und Autorin.

Anja Schöne auf einen Blick

MerkmalInformation
NameAnja Schöne
Geboren1978 in Krefeld
BerufRegisseurin und Autorin
Aktuelle FunktionLeiterin des LUTZ am Theater Hagen
StudiumGermanistik, Anglistik sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Köln; außerdem Comunicación Audiovisual in Málaga
HochschulabschlussMagisterexamen 2004
Bekanntes Buchprojekt„Wazn Teez?“ mit Jess Jochimsen und Carson Ellis
ArbeitsschwerpunktTheater für ein junges Publikum, Stückentwicklungen und kulturelle Bildung

Studium und erste Schritte im Theater

Nach dem Abitur studierte Anja Schöne an der Universität zu Köln Germanistik, Anglistik sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. 2004 schloss sie ihr Studium mit dem Magisterexamen ab. Zusätzlich studierte sie an der Universidad de Málaga das Fach Comunicación Audiovisual, das sich unter anderem mit Film, Fernsehen und audiovisuellen Medien beschäftigt.

Schon während des Studiums arbeitete sie praktisch am Theater. Sie war als Dramaturgin und Regieassistentin an freien Bühnen in Köln tätig. Nach dem Studium folgte eine Stelle als Regieassistentin am Staatstheater Stuttgart. Anschließend arbeitete sie zwei Jahre am Schlosstheater Moers. Dort entstanden bereits mehrere eigene Regiearbeiten, außerdem beteiligte sie sich an Theaterprojekten mit Schulen.

Seit 2007 arbeitete Schöne verstärkt frei als Regisseurin und Autorin. Ihre Projekte führten sie unter anderem an Bühnen in Köln, Bonn, Bochum, Duisburg, Essen, Freiburg, Mainz und Mülheim an der Ruhr sowie in die Niederlande. Ihre Arbeit blieb dabei nicht auf klassisches Schauspiel beschränkt: Musik, Tanz, Bewegung und Projekte außerhalb normaler Theaterbühnen gehören ebenfalls dazu.

Seit wann leitet Anja Schöne das LUTZ Hagen?

Bei dieser scheinbar einfachen Frage gibt es eine kleine Besonderheit in den Quellen.

Die derzeit abrufbare Personen-Vita des Theater Hagen nennt als Beginn ihrer Leitung die Spielzeit 2016/17. Eine ebenfalls vom Theater Hagen veröffentlichte Materialmappe aus der Spielzeit 2019/20 nennt dagegen ausdrücklich 2017/18. Ein am 14. Mai 2017 veröffentlichter Bericht über den damals neuen Hagener Spielplan bezeichnet Schöne ebenfalls als „neue Leiterin“ des LUTZ für die Saison 2017/18.

Die Angabe 2017/18 passt damit besser zu den zeitnahen Dokumenten über den tatsächlichen Leitungswechsel. Die aktuelle Teamseite des Theater Hagen bestätigt unabhängig davon eindeutig, dass Anja Schöne das LUTZ weiterhin leitet.

Das ist ein kleines, aber wichtiges Detail: Auf einigen Kurzbiografien wird einfach die Jahreszahl aus der aktuellen Theater-Vita übernommen, obwohl ältere Unterlagen desselben Hauses einen anderen Beginn nennen.

Was macht sie als Leiterin des LUTZ?

Das LUTZ ist das Theaterangebot des Theater Hagen für ein junges Publikum. Anja Schönes Aufgabe besteht deshalb nicht nur darin, fertige Stücke zu inszenieren. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist es, Themen und Formen zu entwickeln, die Kinder und Jugendliche direkt betreffen.

Dabei versucht das Team auch Menschen zu erreichen, die normalerweise nicht von selbst in ein Theater gehen würden. In einem Interview für das Bundesprogramm „Kultur macht stark“ beschrieb Schöne beispielsweise Projekte im Hagener Stadtteil Wehringhausen. Das Theater wartete dort nicht darauf, dass Kinder und Jugendliche ins Haus kommen, sondern ging mit regelmäßigen kreativen Angeboten zu ihnen.

Schöne beschreibt diese Arbeit mit einem einfachen Grundgedanken: „Wir verstehen unsere kreativen Angebote als offene Orte des Austauschs.“ Kinder und Jugendliche sollen also nicht nur zuschauen. Ihre Erfahrungen, Ideen und Fragen können selbst Teil eines Projekts werden.

Das erklärt auch, warum ihre Arbeit häufig verschiedene Kunstformen verbindet. Schauspiel kann mit Tanz, Musik, Objekten, Gesprächen oder Beteiligung des Publikums kombiniert werden. Ein Stück muss bei ihr nicht zwingend bedeuten, dass Erwachsene auf einer Bühne etwas vorspielen und junge Menschen still im Zuschauerraum sitzen.

Von Kleinkindern bis zu Jugendlichen: ein ungewöhnlich breites Programm

Der Spielplan 2026/27 zeigt besonders deutlich, wie breit dieses Verständnis von jungem Theater ist.

Für sehr kleine Kinder gibt es beispielsweise „sternenstaub“, ein Theatererlebnis mit Musik für Kinder ab zwei Jahren. Anja Schöne führt dort Regie. „Junis Farben“ richtet sich an ältere Kita-Kinder und Grundschulklassen und verbindet Theater mit Objekten und Fantasie.

Für ältere Schülerinnen und Schüler behandelt das LUTZ deutlich schwerere Stoffe. Schönes Inszenierung von Jenny Erpenbecks „Heimsuchung“ ist als szenisches Sprechkonzert für Jugendliche ab 14 Jahren angelegt. Das Stück verbindet Literatur, Schauspiel und Musik und beschäftigt sich mit deutscher Geschichte, Verlust, Flucht und Erinnerung.

Mit „Fotoalbum oder Bilder, die die Welt bedeuten können“ entwickelte Schöne mit dem Ensemble außerdem eine partizipative Produktion über Demokratie. Zuschauerinnen und Zuschauer beschäftigen sich dabei mit Bildern, Erinnerung und der Frage, wie Bilder unsere Meinung beeinflussen können.

Das Spektrum reicht damit von ersten Theatererfahrungen für Kleinkinder bis zu politischen, historischen und gesellschaftlichen Themen für Jugendliche.

„Fotoalbum“ beim WESTWIND Festival 2026

„Fotoalbum“ erhielt 2026 zusätzliche Aufmerksamkeit: Die Produktion des LUTZ Hagen gehörte zu den zehn nordrhein-westfälischen Produktionen, die von der Auswahljury zum WESTWIND Festival eingeladen wurden. Das Festival fand vom 30. Mai bis zum 5. Juni 2026 in Münster statt.

Wichtig ist die genaue Unterscheidung: „Fotoalbum“ war zum Festival eingeladen, gehörte aber nicht zu den dort ausgezeichneten Produktionen. Die drei Jury-Auszeichnungen gingen an andere Stücke.

Die Einladung ist dennoch bemerkenswert, weil WESTWIND zu den etablierten Treffen für Theater für junges Publikum in Nordrhein-Westfalen gehört.

Anja Schöne und „Wazn Teez?“

Ein Teil von Anja Schönes Arbeit findet nicht direkt auf einer Bühne statt. Besonders bekannt ist ihre Beteiligung am Bilderbuch „Wazn Teez?“ der US-amerikanischen Illustratorin und Autorin Carson Ellis.

Dabei ist die Rollenverteilung wichtig: Carson Ellis ist Autorin und Illustratorin des Originals. Anja Schöne und Jess Jochimsen übernahmen gemeinsam die deutsche Übertragung.

Das ist bei diesem Buch ungewöhnlich schwierig, denn die Insekten der Geschichte sprechen eine erfundene Sprache. Es reicht deshalb nicht, normale englische Sätze Wort für Wort zu übersetzen. Jochimsen und Schöne mussten eine deutsche Fantasiesprache entwickeln, die fremd klingt, deren Sinn Kinder aber trotzdem aus Bildern, Wortklang und Situation verstehen können. Der Arbeitskreis für Jugendliteratur hebt genau diese sprachliche Leistung in seiner Jurybegründung hervor.

Die deutsche Erstausgabe erschien 2017 im NordSüd Verlag. 2018 wurde „Wazn Teez?“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Bilderbuch nominiert. Dabei handelt es sich um eine Nominierung des Buches, nicht um einen persönlichen Einzelpreis für Schöne.

Interessant ist außerdem, dass die Idee der Fantasiesprache später in Schönes Theaterarbeit wieder auftauchte. Für ihre Produktion „PARDAUZ“ entwickelte sie eine eigene spielerische Sprache; die Materialmappe des Theater Hagen nennt „Wazn Teez?“ ausdrücklich als eine der Inspirationen dafür.

Welche Preise hat Anja Schöne erhalten?

Auch bei den häufig genannten Auszeichnungen lohnt sich ein genauer Blick.

In mehreren Kurzbiografien heißt es, Schöne habe 2011 den „Moerser Literaturpreis“ erhalten. Das Archiv der veranstaltenden Moerser Gesellschaft ist genauer: Bei der Literaturpreisverleihung 2011 zum Thema „Dabei sein“ erreichte Anja Schöne mit ihrem Text „Septembermädchen“ den 3. Preis. Die ersten beiden Preise gingen an Frank Karner und Ronald Pacholski.

Eine weitere wichtige Station war das Jugendtheaterprojekt „Just do it“. Nach der Vita des Theater Hagen entwickelte Schöne hierfür gemeinsam mit Jugendlichen verschiedener Schulformen die Textvorlage. Das Projekt wurde beim Wettbewerb „Kinder zum Olymp!“ ausgezeichnet; die Preisträgerliste der Kulturstiftung der Länder führt „Hauptschule in Bewegung 5 – Just do it“ als Preisträger in der Sparte Musiktheater.

Woran arbeitet Anja Schöne 2026 und 2027?

Für die Spielzeit 2026/27 führt das Theater Hagen Anja Schöne weiterhin als Leiterin des LUTZ. Der veröffentlichte Spielplan zeigt sie außerdem bei zahlreichen Produktionen als Regisseurin, Autorin, Bearbeiterin oder künstlerische Leiterin.

Neben Wiederaufnahmen wie „Junis Farben“, „Heimsuchung“, „Fotoalbum“ und „sternenstaub“ ist für 2027 unter anderem „Stadt der Kinder“ vorgesehen. Das Projekt soll gemeinsam mit jungen Menschen aus Hagen Fragen rund um Kinderrechte untersuchen. Das Publikum soll dabei aktiv einbezogen werden.

Auch „Eine Odyssee“ verbindet einen alten Stoff mit heutigen Erfahrungen: Die Inszenierung verknüpft Homers Geschichte mit Texten junger Menschen aus Hagen, darunter Erfahrungen mit Krieg, Flucht, Ausgrenzung oder persönlichen Krisen.

Damit lässt sich Anja Schönes Arbeit recht klar beschreiben: Sie erzählt klassische und neue Geschichten nicht nur für junge Menschen, sondern versucht häufig, Theater mit ihnen zu entwickeln.

Quellen

  • Theater Hagen – „Anja Schöne“, offizielle Vita. Kein Veröffentlichungsdatum auf der Seite ausgewiesen. Direkt zur Vita beim Theater Hagen
  • Theater Hagen – LUTZ, aktuelle Teamseite. Kein Veröffentlichungsdatum ausgewiesen. Direkt zur LUTZ-Teamseite
  • Theater Hagen – Spielzeitheft 2026/27. Offizieller Spielplan der Saison 2026/27. Spielzeitheft 2026/27 als PDF
  • BMBFSFJ / „Kultur macht stark“ – „Kinder und Jugendliche, die wir einmal überzeugt haben, kommen gerne wieder“. Interview mit Anja Schöne; auf der geöffneten Seite ist kein Veröffentlichungsdatum ausgewiesen. Zum Interview
  • Arbeitskreis für Jugendliteratur – „Wazn Teez?“ Archivseite zum Deutschen Jugendliteraturpreis; Nominierung 2018, Kategorie Bilderbuch. Zur offiziellen Buch- und Nominierungsseite
  • NordSüd Verlag – „Wazn Teez?“ Erstausgabe 2017; Angaben zur deutschen Übertragung durch Jess Jochimsen und Anja Schöne. Zur Verlagsseite
  • Moerser Gesellschaft – „Preisträgerinnen“. Archiv der Literaturpreisverleihung 2011 mit Anja Schöne auf Platz 3 für „Septembermädchen“. Zum Preisarchiv
  • WESTWIND Festival – „Preisverleihung 2026“. Veranstaltungsdatum der Preisverleihung: 5. Juni 2026. Zur Festival-Seite
  • Das Opernmagazin – „Theater Hagen – Spielplan 2017|18“. Veröffentlicht am 14. Mai 2017. Zum Artikel von 2017

siehe auch : Dorothea Sihler: Jauchs Frau, deren Hochzeit bis nach Straßburg führte

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